Jameda: vom Arztbewertungsportal zum digitalen Mittler zwischen Arzt und Patienten Interview mit Dr. Florian Weiß

Podcastcover Folge 11 - Jameda Dr. Florian Weiß

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In dieser Folge erzählt dir Jameda Chef Dr. Florian Weiß, wie du als Arzt das Bewertungsportal super für dich und deine Praxis nutzen kannst, um deinen Expertenstatus zu festigen. Und wieso du Jameda als Chance sehen solltest, um das positive Image deiner Praxis zu stärken.

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Interview mit Jameda Geschäftsführer Dr. Florian Weiß – Jameda, viel mehr als nur ein Bewertungsportal für Patienten gegen Ärzte

Die Plattform Jameda ist für einige Ärzte so ein Thema, dem sie am liebsten aus dem Weg gehen würden. Andere wiederum haben die Chancen und den Nutzen von online Erfahrungsberichten schon erkannt. In unserem neuen praxismarketing.digital Podcast spreche ich mit Dr. Florian Weiß, dem Geschäftsführer von Jameda darüber, warum Jameda mehr ist als nur ein Bewertungsportal und womit das Unternehmen Ärzten zu einer besser geführten Praxis verhelfen möchte.

Ich freu mich ganz besonders, mit Florian zu sprechen. Jameda kenne ich bereits seit Gründung in 2007, weil meine Kunden schon damals mit Jameda, der Plattform für Erfahrungsberichte von Patienten, zu tun hatten. Damals galt es als das „ominöse“ Bewertungsportal in den Köpfen der Menschen. Ich durfte Florian im letzten Jahr in einem (nicht ganz einfachen) Kundentermin kennenlernen. Für mich war es besonders interessant einmal das Gesicht hinter Jameda zu sehen und ich war von seiner Persönlichkeit beeindruckt, vor allem aufgrund seines professionellen Umgangs mit dem Kunden. Nun durfte ich ein spannendes Interview zu digitalen, aktuellen und zukünftigen Themen mit ihm führen.

Die Themen:

  •  Jameda Bewertungen und deren Kritik
  • Videosprechstunden in der Corona-Zeit
  • Expertenartikel zur Positionierung
  • Termin-Management-Tools
  • der Blick in die Zukunft der digitalen Praxis
  • #und zum Schluss ein Herzensprojekt

Unser Gast im praxismarketing.digital Podcast: Dr. Florian Weiß, Jameda Geschäftsführer

Er ist ein Nordlicht, in Bremen geboren, in Hamburg groß geworden und lebt seit 7 Jahren in München. Seit 2014 ist er Geschäftsführer von Jameda, was ihm sehr viel Freude bereitet. Zu ihm privat, er hat drei kleine Jungs, zwischen 0 – 5 Jahren, die im Wesentlichen, neben seinem Job, sein Lebensinhalt sind.

Zu Jameda – die Plattform wird immer mit dem Begriff Arztbewertungsportal assoziiert. Im Folgenden erläutert er gerne, dass dies nur einen kleinen Teil des Unternehmens darstellt. Intern beschreibt der Geschäftsführer die Tätigkeit mit drei Begriffen: Suchen, Buchen, Besuchen.
Für die Patienten, möchte das Unternehmen die beste Arztsuche der Welt bauen, ihm dabei helfen den passenden Arzt zu finden. Ärzten wollen sie die beste Terminverwaltungssoftware bieten, die ihnen die Möglichkeit bietet, ihre Termine online zu stellen, aber auch ihr komplettes Termin-Management effizienter zu gestalten. Dadurch erhalten Patienten die Chance, Termine online zu buchen. Zudem möchten sie die beste Videosprechstunde bauen, nach dem Motto: suche den Arzt, buche den Termin und besuche ihn direkt online. Das ist, was Jameda bereits erfolgreich anbietet, mit einer Reichweite von etwa 7 Millionen Patienten pro Monat, die nach einem passenden Arzt suchen.

Jameda Bewertungen und deren Kritik

Wer heute online nach einem Arzt sucht, kommt an Jameda kaum noch vorbei. Das Thema online Bewertungen steht gerade auf Ärzteseite häufig in der Kritik. Jameda hat demnach mit Vorurteilen zu kämpfen: Die Bewertungen sind manipuliert. Die Ärzte mit den meisten Bewertungen bekommen die meisten Patienten und Ähnliches.

Auch ich als Berater stehe immer wieder vor denselben Fragen. Was ist also der ursprüngliche Sinn dieser Plattform und was tut Jameda dafür, mit diesen Themen aufzuräumen?
Ich freue mich, dass wir gleich zu Beginn dieses Thema ansprechen, da dies natürlich viele Ärzte beschäftigt. Denn es halten sich dazu viele Mythen, Vorurteile aber auch sicher berechtigte Kritik rund um dieses Thema. Ich bin mir auch der Tatsache bewusst, dass wir Ärzten mit den Bewertungen etwas zumuten und wir als Plattformbetreiber ein hohes Maß an Verantwortung im Umgang mit Bewertungen haben.

Die Idee hinter Jameda

Du hast nun auch gefragt, warum gibt es das Ganze überhaupt und wie ist es entstanden. Dazu ist ganz wichtig zu verstehen, wie diese Idee für Jameda überhaupt entstanden ist:
Tatsächlich war damals eine der Gründerinnen von Jameda gerade nach München gezogen und auf der Suche nach einem Frauenarzt. Sie hatte weder Freunde noch Familie in der Stadt, und war damals auf das Telefonbuch angewiesen. Das hat ihr nicht gereicht, denn hier ging es nicht nur um die Gesundheit, sondern um ein persönliches Thema, wie dem Gynäkologen oder der Gynäkologin. Sie wollte vorher einen Eindruck bekommen, wer ihr da später gegenübersitzen wird. Wie sieht er aus, was ist er für ein Mensch und was haben andere Patienten für Erfahrungen gemacht? So war die Idee geboren eine Art HolidayCheck oder TripAdvisor für Ärzte zu schaffen. Der primäre Gedanke war dabei einen Austausch zwischen Patienten zu ermöglichen und Erfahrungsberichte zu teilen.

Die Kritikpunkte

Bis heute glaube ich, dass dies eine wichtige Funktion ist, die unsere Plattform ausübt. Ich glaube gleichzeitig, dass die Verantwortung darin liegt, dass wir, anders als eine Restaurant- oder Hotelbewertungen, Personen im Fokus unserer Bewertungen haben. Dies macht das Thema sehr emotional und ich weiß, dass Ärzte, die Kritik von Patienten oft als ungerechtfertigte empfinden oder sogar die Echtheit des Erfahrungsberichtes anzweifeln. Dies ist ein wesentlicher Kritikpunkt. Des Weiteren gilt der Vorwurf, dass wir zahlende Kunden beim Umgang mit Bewertungen bevorzugen. Also positive Bewertungen schreiben, bessere Bewertungen auf der Plattform lassen und kritische Bewertungen löschen. Oder, dass wir es nicht zahlenden Kunden im Umkehrschluss schwerer machen gegen kritische Bewertungen vorzugehen.

Die Aufklärung

Ich möchte unser Interview heute auch dazu nutzen damit aufzuräumen und zu beweisen, dass dies nicht der Fall ist. Ich tue dies sowohl auf eine unternehmerische als auch auf eine persönliche Art.
Ich persönlich betreibe diesen Job mit viel Herzblut und Idealismus. Mein Vater hat mich im Sinne eines ehrbaren hanseatischen Kaufmanns erzogen. Das bedeutet, dass es darum geht das Geschäft ehrenhaft und integer zu betreiben. Würden wir zahlende Kunden, also Ärzte, systematisch bevorzugen, würden wir Gewinn erzielen auf dem Rücken der Patienten. Wir würden in Kauf nehmen, den Patienten zum falschen Arzt zu schicken, nur weil er vielleicht am meisten Geld zahlt. Ich glaube, dies wäre ein im hohem Maße unethisches und unmoralisches Geschäftsmodell.
Meine relativ einfache unternehmerische Begründung: Eine solche Bevorzugung lässt sich relativ einfach herausfinden. Unser Kapital ist jedoch das Vertrauen auf Arzt und Patientenseite. Wenn Jameda also erfolgreich sein soll, können wir das Vertrauen beider Seiten nicht aufs Spiel setzen.

Qualitätssicherung im Bewertungsprozess

Wie lässt sich also gewährleisten, dass wir echte Bewertungen auf der Plattform haben und dass Ärzte ihr Recht durchsetzen können, ungerechtfertigte Bewertungen entfernen zu lassen?
Wir investieren jedes Jahr 2 Millionen Euro, um diese Sicherheit der Authentizität von Bewertungen und die Sicherstellung der Qualität zu gewährleisten. Jameda soll ein Ort sein, an dem der Patient die Möglichkeit hat konstruktives Feedback zu geben und vor allem auch Positives weitergegeben wird.
Wir haben zur Qualitätssicherung beispielsweise einen Bewertungsprozess, der eine Anmeldung per E-Mail erfordert sowie die Telefonnummer abfragt, um im Falle einer verdächtigen Bewertung, den Patienten zur Stellungnahme auffordern zu können. Die Authentizität der Bewertungen liegt uns als Unternehmen am Herzen.
Zahlende Kunden bekommen bei uns einen Auftritt, haben aber keinerlei Vorteile beim Thema Bewertungen und werden hier nicht besser gestellt.

Bewertungen generieren: Was ist aus eurer Sicht das „Best-Practice“, dem Patienten nach einer guten Erfahrung den Weg auf die Jameda Plattform zu ebnen, damit er dort eine positive Bewertung hinterlässt?

Vorab ist zu sagen, dass generell die Bedeutung der Anzahl der Bewertungen überschätzt wird. Unser Algorithmus bewertet den Nutzen einer weiteren Bewertung im Zeitverlauf abnehmend. Das heißt, 10 Bewertungen sind vielleicht doppelt so gut wie 5 Bewertungen, 200 sind jedoch nicht doppelt so gut wie 100 Bewertungen.
Unser Ranking basiert momentan auf der Durchschnittsnote und der Anzahl der Bewertungen, wobei der Faktor Anzahl der Bewertungen mit zunehmenden Bewertungen abnimmt. Der zweite Punkt ist, dass die wenigsten Patienten Gesamtlisten von beispielsweise Zahnärzten suchen und dann nur die ersten zehn ansehen, sondern dass sie die Suche lokal eingrenzen. Wir bieten Ärzten zudem an, ihr Leistungsspektrum zu hinterlegen, was dem Patienten viele weitere Filter für die Suche ermöglicht. Ein weiterer Aspekt ist, dass viele der Jameda-Besucher bereits den Namen des Arztes gehört haben und bei uns nach diesem suchen. Sie landen dann direkt auf dem Profil des Arztes und die dortige Bewertung ist dann häufig zweitrangig.
Ich verstehe, dass viele Ärzte sich anbiedern ihre Patienten um eine Bewertung zu bitten. Das entspricht selten dem ärztlichen Naturell. Deshalb ist es immer eine gute Idee, dies in den Praxisablauf zu integrieren, vielleicht eine Karte am Empfang auszulegen oder beispielsweise die Bitte um eine Bewertung, mit dem Link zum Bewertungsportal, in die E-Mail zu Terminbestätigung an den Patienten zu integrieren.
Eine gute Erfahrung beim Arzt ist jedoch noch fast der beste Ansporn für den Patienten eine Bewertung zu hinterlassen.

Videosprechstunden in der Corona-Zeit

Die Anfragen für Videosprechstunden haben sich enorm gesteigert. Als führender und etablierter Anbieter, was ist eure Einschätzung der aktuellen Lagen in Bezug auf die Nachfrage von Videosprechstunden?

Wir haben Ende 2016 die damaligen Marktführer und Pioniere für Videosprechstunden übernommen. Sie habe schon seit 2013 dieses Thema in Deutschland vorangetrieben und wesentlich dazu beigetragen, dass wir heute eine Situation haben, dass Videosprechstunden abrechenbar sind. Wir haben sie in unser Unternehmen und in unsere Produkte integriert. Aufgrund unserer dadurch erweiterten Produktlandschaft haben wir seit dem die Möglichkeit Videosprechstunden so anzubieten, dass sie in den Workflow des Arztes passen.
In der Regel möchten Ärzte nicht verschiedene Systeme bedienen sowie verschiedene Hardware anschaffen müssen. Darum haben wir entschieden, die Videosprechstunde tief in unseren Praxiskalender zu integrieren, damit es vom Prozess her keinen Unterschied macht, ob ein Patient im echten oder virtuellen Wartezimmer sitzt.
Corona ist natürlich gerade weltweit das Stichwort für die Telemedizin. Ärzte sind in dieser Zeit natürlich besonders schutzbedürftig und haben eine besondere Verantwortung gegenüber sich selbst, den Praxismitarbeitern sowie den Patienten. Patient wiederum verspüren eine große Verunsicherung. Praxen, die mit Corona Verdachtsfällen zu tun hatten, brauchten eine Form, um beraten zu können, ohne persönlichen Kontakt. Zum anderen haben Praxen in den letzten Wochen mit massiven Umsatzeinbrüchen zu kämpfen, weil Patienten alles was nicht akut ist aufschieben, aus naheliegenden Gründen. Da bietet die Videosprechstunde natürlich die Möglichkeit, mit dem Patienten sicher in Kontakt zu bleiben.

Ich glaube, dass dies eine Entwicklung ist, die wir in Zukunft ohnehin gesehen hätten, aber durch Corona nun beschleunigt wurde. Ärzte und Patienten wurden nun in der Not quasi gezwungen die Videosprechstunde zu nutzen, um dann zu lernen, dass das Neue ihren Schrecken verliert. Wir haben in den letzten Wochen ca. 20.000 Videosprechstunden geführt, was im Vergleich zu physischen Behandlung keine große Zahl ist, aber ein großes Wachstumspotenzial aufzeigt. Wir sehen, dass dieses Thema an Breite gewinnt und immer mehr ein Stück weit normal wird.

Was ist das Feedback und die Akzeptanz der Ärzte, zum Thema Videosprechstunde, mit denen ihr in Kontakt steht?

Das Feedback ist vielschichtig. Jede neue Technologie benötigt etwas Übungszeit. Vielleicht weniger technisch, da wir dies mittlerweile sehr gut gelöst haben, sondern eher inhaltlich. Da entstehen die Fragen, was biete ich idealerweise per Videosprechstunde an oder was sind die typischen Behandlungs- und Anwendungsfälle, die sich dafür eignen. Da findet momentan jeder Arzt seine eigenen Lösungen und wir sehen dort auch viel Kreativität. Es benötigt im Allgemeinen etwas Zeit, bis Ärzte zu der Erkenntnis kommen, was alles möglich ist. Wir möchten natürlich auch helfen, in dem wir je Fachgebiet typische Anwendungsfälle mit den Ärzten teilen.
Eine weitere Erkenntnis ist, dass Videosprechstunden verordnet werden müssen. Nur weil Ärzte das Angebot haben, stürmen die Patienten nicht sofort die Praxis. Auch die Patienten müssen an das Thema erst herangeführt werden. Hier ist es nötig den Patienten aktiv darauf aufmerksam zu machen. Beispielsweise wäre es möglich einen Termin zur Nachsorge per Video anzuordnen. Patienten reagieren erfahrungsgemäß begeistert darauf, da es vieles vereinfacht.
Das in Kontakt kommen mit der Technologie kommt hinzu. Verstehen, dass man nicht nur sprechen kann, sondern weitere Elemente der Technologie vorhanden sind. Beispielsweise etwas aufmalen, Dokumente teilen, Röntgenbilder oder Befunde ansehen. Ich glaube, das müssen Ärzte und Patienten erst erleben, um auch die Kraft dahinter zu verstehen.

Videosprechstunde als Ergänzung, nicht als Alternative

Videosprechstunden können meiner Meinung nach extrem gut dazu dienen:
Patienten Ruhe zu geben, wenn sie beunruhigt sind,
über Behandlungen aufzuklären,
Zweitmeinungen zu diskutieren oder
Befunde zu besprechen.
Die Videosprechstunde beim Arzt ist also vielmehr eine Ergänzung der Leistung als eine Alternative.

Ein persönliches Beispiel

Mein persönliches Beispiel ist, der Orthopäde. Ich hatte Knieprobleme und musste dann zum Radiologen, der hat ein MRT gemacht. Mit diesem Bild bin ich dann zum Orthopäden, habe dort im Wartezimmer gesessen und er hat im Grunde nur auf das Bild geschaut und erklärt, da kann man jetzt eigentlich nicht viel machen. Da müssen wir 3 Wochen abwarten und dann wird es schon besser. Das Bild hätte wir uns natürlich auch per Videosprechstunde anschauen können, da er mein Knie nicht direkt bearbeiten musste.
Zusammenfassend würde ich sagen, ist es wichtig, die Patienten aktiv anzusprechen, sich kreativ Gedanken zu machen, was kann ich anbieten sowie auf der Webseite oder auch auf Jameda darauf hinzuweisen. Um dann herauszufinden, wo die Kraft von Videosprechstunden steckt. Dabei unterstützen wir natürlich auch, sobald jemand mit uns über dieses Thema spricht.

Expertenartikel zur Positionierung

Videosprechstunden in Verbindung mit Expertenartikel auf Jameda und Expertenartikel nutzen für die eigene Positionierung, die Etablierung eines Expertenstatus und die Erreichung der Wunschpatienten – wie sind da eure Erfahrungswerte?

Dies berührt eine ganze Reihe von Aspekten, auf die ich gerne eingehe.

Positionierung und Wunschpatienten

Das Thema Positionierung und Wunschpatienten klingt zunächst nach Marketing und viele Ärzte sagen, sie sind keine Marketing-Experten. Aber trotzdem finde ich, dass dies ein ganz wichtiges Thema ist, womit sich Ärzte auseinandersetzen sollten. Denn Patienten suchen in der Regel etwas sehr spezifisches bei ihrer Arztsuche. Entweder ein sehr spezifisches Krankheitsbild oder eine sehr spezifische Behandlung. Und nicht jeder Arzt deckt das gesamte Spektrum seines Fachgebietes ab. Da ist es unsere Aufgabe als Plattform, das Angebot und die Nachfrage zusammenzuführen. Mit der richtigen Positionierung hat man also Einfluss auf den Wunschpatienten und auch darauf, welche Behandlungen man bevorzugt durchführen möchte, was legitimerweise auch einen Effekt auf den Umsatz hat.
Es gibt Patienten, die suchen auf einer menschlichen Ebene. Beispielsweise einen Arzt, der sich Zeit nimmt, der ganzheitlich behandelt, der ein Wartezimmer hat, in dem auch Musik läuft – und es gibt Ärzte, die genau das erfüllen.
Andersherum gibt es auch wieder Ärzte, die das alles nicht wollen. Sie sind Koryphäen auf ihrem Gebiet und haben täglich viele Patienten, ihre Expertise ist die schnelle Diagnose und die Therapieempfehlung. Sie möchten sich nicht stundenlang ganzheitliche mit Patienten austauschen. Es gibt eben auch Patienten die genau das suchen.
Es geht letzten Endes um Passung auf der menschlichen Ebene. Diese kann hergestellt werden, wenn man sich positioniert.

Expertenartikel

Expertenartikel sind definitiv eine gute Möglichkeit sich zu positionieren, weil wir Ärzten die Möglichkeit geben, bei uns Artikel über ihr Fachgebiet zu verfassen, über ganz spezifische Behandlungsformen, auf die sie sich lizenziert haben. Diese erhalten dann sehr guten Traffic, da Google unsere Seite sehr gut für derartige Themen ranken lässt.

Kontext zur Videosprechstunde

Im Kontext zur Videosprechstunde betrachtet – sie schaffen Vertrauen, denn sie sind mehr als Telefonate, da man sich in die Augen schauen und visuell interagieren kann. Denn gerade bei größeren Eingriffen oder schwerwiegenden Erkrankungen ist es eben wichtig, dass Patienten auch menschlich mit ihrem Arzt harmonieren. Es macht einen Unterschied, ob der Patient dem Arzt vertraut. Ein Aspekt, der häufig unterschätzt wird. Eine Videosprechstunde kann also dazu beitragen eine Vertrauensbasis herzustellen.

Termin-Management-Tools und Optimierung von Praxisprozessen

Ich stoße häufig auf Abneigung bei Ärzten, wenn es um Terminplanungstools geht. Sie möchten ihren Terminkalender nicht online freigeben. Sie befürchten, die Kontrolle über ihren Kalender zu verlieren, oder dass Patienten nicht erscheinen. Wie ist der aktuelle Stand, was euer Termin-Management angeht?

Neben der Videosprechstunde ist die online Terminvergabe beziehungsweise die online Terminbuchung, unser größtes Wachstumsfeld. Menschen organisieren heute ihr komplettes Leben über ihre Smartphone. Darum ist es naheliegend, dass aus Patientensicht das Bedürfnis da ist, auch ihre Praxistermine dort zu organisieren, weil es vieles einfacher macht. Online Terminbuchungen stellt die Verfügbarkeiten einfacher dar und ermöglicht auch außerhalb der Sprechstunde einen Termin zu vereinbaren.
Aus Arztsicht sind die Bedenken natürlich nachvollziehbar. Kommen die Patienten wirklich? Soll der Kalender wirklich transparent gemacht werden? Meiner Meinung nach muss man als Arzt hier anders argumentieren. Ein Kalender der jetzt ausschließlich dazu da wäre online Termine anzubieten, greift aus meiner Sicht zu kurz. Wir bieten mittlerweile einen funktionsstarken Praxiskalender an, der nicht mehr neben dem praxiseigenen Kalender doppelt geführt werden muss, sondern den Hauptkalender der Praxis darstellt. Dort können alle Termine verwaltet werden, sowohl die online Termine als auch telefonisch oder in Praxis vereinbarte Termine.

Wie sind grundsätzliche eure Erfahrungen, was sind die Vorteile für Praxen, die ein solches Tool nutzen?

Aus folgenden Gründen kann dies für die Praxis gut sein:
Die Praxis kann dadurch ihre Auslastung ganz anders managen, weil ich kurzfristig freigewordene Termin veröffentlichen kann, auf der eigenen Homepage aber auch auf Jameda.
Patienten können über gegebenenfalls verzögerte Abläufe informiert werden, um lange Wartezeiten im Wartezimmer zu vermeiden.
Ein effizientes Terminmanagement ist also möglich.
Die Ausfallquote lässt sich dementsprechend reduzieren. Ganz im Gegensatz zudem, was Ärzte eigentlich befürchten.
Ich bin davon überzeugt, dass in Zukunft der Termin beim Arzt im Grunde nur der Kristallisationskern für viele weitere Services ist. Weil wir in absehbarer Zukunft über vollständig digitalisierte Versorgungspfade sprechen werden. Das heißt, vor dem Termin Dokumente austauschen, den ersten Schritt der Anamnese gehen. Eine datengestützte Diagnoseunterstützung erhalten, auf Basis von Fragen an den Patienten oder Kostenübernahmeerklärungen vorab unterzeichnen zu lassen und so den Aufwand in der Praxis zu reduzieren sowie nach dem Termin am Ball bleiben. Vom Patienten gesammelte Daten übermitteln lassen und ihn gezielt nach dem Heilungsverlauf befragen. Auch Daten, die der Patient selber mit seiner Smartwatch erhebt, einbinden. Da geht die Zukunft hin und das wird nur dann funktionieren, wenn Ärzte mit dem Patienten digital interagieren und der digitale Termin ist dafür der Keim, der digitalen Interaktion.

Der Blick in die Zukunft der digitalen Praxis

Was denkst du grundsätzlich über die Praxes, die eine Digitalisierung der Praxis komplett ablehnen? Könnten sie recht haben oder sind sie im Trugschluss?

Es wird sicherlich Praxen geben, die in absehbarer Zeit noch ohne online Marketing oder online Tools erfolgreich sein können. Aber der Anteil dieser Praxen wird in den nächsten Jahren deutlich abnehmen. Weil Revolutionen, im Kontext der Wirtschaft, immer vom Kunden ausgehen. Das Bedürfnis nach digitaler Interaktion auf Patientenseite ist so groß, dass sich das Rad nicht mehr zurückdrehen lässt und Patienten dies zunehmend einfordern. Wir sehen jetzt schon Patienten, in allen Altersgruppen, die sich eher für einen Arzt mit online Terminbuchung entscheiden würden, als für einen der dies nicht anbietet – natürlich vorausgesetzt, dass Leistungen und Eckdaten beider gleichwertig sind. Weil es einfach ist.
Arztpraxen werden merken, dass sie ihre Praxen besser führen können, wenn sie auf digitale Tool setzen. Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, die Daten aus Terminbuchung Tools zu nutzen, um verschiedene Information zu erheben. Beispielsweise, wie lange ist die Dauer einer Behandlung wirklich, welche Behandlungen sind besonders nachgefragt, wie lange sitzen bestimmte Patientengruppen im Wartezimmer. Informationen, die sich für die Optimierung der Praxisabläufe nutzen lassen, um die Praxis besser führen zu können.
Die Digitalisierung der Praxis wird zunehmend zum Wettbewerbsfaktor.

Gibt es einen kleinen Ausblick von euch, wo geht Jamedas Reise in Zukunft hin?

Kurzfristig stehen bei uns natürlich die Themen, die wir gerade besprochen haben, im Vordergrund. Zudem alles, was dem Arzttermin vorgelagert ist, wie der Austausch von Dokumenten, die Anamnese und die Diagnoseunterstützung. Zudem kommt in diesem Jahr das digitale Rezept. Bis zum 30.06.2020 soll ein Standard für das e-Rezept festgelegt werden. Das ist natürlich ein sehr spannendes Thema, um das wir uns mit Hochdruck bemühen, um nach Videosprechstunden ein digitales Rezept ausstellen zu können.
Dann beschäftigen uns die digitalen Versorgungspfade, wie lassen sich ab 20/21 auch elektronische Gesundheitsakten integrieren. Da gibt es ab 01.01.2021 ein Gesetz, dass den Krankenkassen vorschreibt, allen Patienten eine elektronische Akte anzubieten. Auch da gilt es sich zu überlegen, wie lässt sich dies mit der Terminvereinbarung kombinieren. Also wenn ich einen Termin mit dem Facharzt mache, und Befunde mit ihm geteilt werden müssen, wäre es natürlich ideal dies direkt aus der elektronischen Akte zu tun.
Ein weiteres Thema ist, wie können wir die Arztsuche verbessern. Wir sind immer auf der Suche danach – wie finden Patienten den passenden Arzt. Wir werden auch hier daran arbeiten, neben den Erfahrungsberichten von Patienten auch Datenpunkte zu integrieren. Zum Beispiel, Ausstattungsmerkmale der Praxis, Fortbildungspunkte, Fallzahlen oder Ähnliches. Punkte, die dem Patienten helfen, den perfekten Arzt zu finden.

Zum Schluss ein Herzensprojekt

Ihr seid an der tollen Aktion #DankeCoronaHelden beteiligt, wie kam es dazu und was soll sie bewirken?

Uns haben immer mehr Patienten erreicht, die ihrem Arzt in dieser Corona-Zeit über eine Bewertung heraus Danke sagen wollten. Daraufhin haben wir eine Webseite gebaut – danke-coronahelden.de – auf der Patienten die Möglichkeit haben, ihren Arzt zu suchen und sich bei ihm virtuell über ein Danke-Herz zu bedanken. Anhand einer Karte mit allen Bundesländern lässt sich erkennen, wo überall schon Herzen hinterlassen wurden. Das Ganze haben wir zudem mit einer Spendenaktion verbunden und sammeln so Spenden für das Deutsche Rote Kreuz und Ärzte ohne Grenzen.
Ärzte sind momentan eine enorm belastete Berufsgruppe, die jeden Tag auch ihre Gesundheit riskiert, um das Land gesund zu halten und die Krise zu bewältigen. Und wir haben nach einer Form gesucht, wie wir Patienten eine Stimme geben können. Wir freuen uns natürlich über jeden der mitmacht und werden den Ärzten diese Daten später zukommen lassen. So können sie sehen, wer sich alles bei ihnen bedankt hat.

Sehr spannende Themen! Wir bedanken uns für diesen ausführlichen Einblick in die Welt von Jameda. Für uns sind genau diese Themen ein wichtiger Bestandteil vom digitalen Praxismarketing. Wir möchten Ärzten die Hemmungen vor Plattformen wie Jameda sowie der Digitalisierung ihrer Praxis nehmen und die großen Chancen aufzeigen.